Stop Destroying Videogames: die Antwort der Europäischen Kommission, und warum der Kampf weitergeht

Es war eines der am meisten erwarteten Ereignisse für die Gaming-Community. Am 16. Juni 2026 hat die Europäische Kommission ihre offizielle Antwort auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Stop Destroying Videogames" veröffentlicht. Ergebnis: vorerst keine neue Gesetzgebung. Einordnung, und warum das nicht das Ende der Geschichte ist.
Die Fakten im Überblick
Die Initiative entstand im Zuge der Abschaltung von The Crew durch Ubisoft im Jahr 2024 und forderte, dass Publisher verpflichtet werden, ihre Spiele nach dem Ende des kommerziellen Supports in einem spielbaren Zustand zu belassen (Offline-Modus, Community-Server usw.). Sie wurde unter anderem von Ross Scott getragen und hat alle erforderlichen Schwellenwerte überschritten:
- am 26. Januar 2026 bei der Kommission eingereicht;
- 1.294.188 verifizierte Unterschriften (etwa 1,3 Millionen);
- Schwellenwerte erreicht in 24 Mitgliedstaaten.
Eine gültige EBI verpflichtet die Kommission zu einer Antwort, nicht aber zur Gesetzgebung.
Was die Kommission geantwortet hat
In ihrer Antwort vom 16. Juni 2026 erklärt die Kommission, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtliche Verpflichtung vorschlagen kann, Spiele nach dem Ende ihrer Vermarktung spielbar zu halten. Ihr Hauptargument: die Rechte des geistigen Eigentums der Publisher. Sie betont jedoch, dass das europäische Verbraucherrecht den Spielern bereits wichtige Garantien bietet.
Anstelle eines Gesetzes verpflichtet sich die Kommission dazu:
- bis Ende 2026 einen Dialog mit der Industrie und Verbrauchervertretern einzuleiten, um einen freiwilligen Verhaltenskodex zum Umgang mit dem „Lebensende" von Spielen zu erarbeiten;
- mit Verbänden und Behörden zusammenzuarbeiten, um die bestehenden Rechte der Verbraucher bekannter zu machen.
Unsere Analyse: eine vorhersehbare Antwort, und der wahre Hebel liegt woanders
Diese Antwort kommt nicht überraschend. Das Problem frontal anzugehen, indem man ein neues, spezifisches Gesetz fordert, hieße, direkt auf dem für die Publisher günstigsten Terrain zusammenzustoßen: dem des Urheberrechts. Ein unverbindlicher „freiwilliger Verhaltenskodex" hat gute Chancen, toter Buchstabe zu bleiben, wie die Geschichte der freiwilligen Selbstverpflichtungen der Branche gezeigt hat.
Doch der Kampf ist nicht verloren, man muss nur richtig zielen. Der wahre Hebel besteht nicht darin, Rechte zu schaffen, sondern die bereits bestehenden durchzusetzen:
- Die Richtlinie (EU) 2019/770 (digitale Inhalte) und das Recht der missbräuchlichen Klauseln ermöglichen es bereits, Praktiken wie die willkürliche Kündigung oder die einseitige Änderung anzufechten.
- Die RGPD und der DSA, die entwickelt wurden, um die Digitalgiganten zu disziplinieren, enthalten Anforderungen, die sich auf Missstände im Videospielbereich übertragen lassen (Transparenz, Einwilligung, faire Schnittstellen).
- Vor allem der zukünftige Digital Fairness Act, der sich noch in Vorbereitung befindet, zielt genau auf dark patterns, Abo-Fallen und manipulative Designs ab. Genau dort haben die Forderungen der Spieler die größten Chancen, gehört zu werden, und jetzt, während dieser Text entsteht, ist der Moment, um Einfluss zu nehmen.
Eine Petition, die man unterschreibt und dann vergisst, hat kein Gewicht. Was zählt, ist die anhaltende Mobilisierung: Lärm machen, Content-Creator mobilisieren und die Anwendung der bereits bestehenden Gesetze einfordern. Jetzt entscheidet sich das Recht von morgen.
Quellen: Europäische Kommission, Antwort auf die EBI (16. Juni 2026) · Offizielle Seite der Initiative.
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